Medienfragen | Projekte von Elmar Zielke + Technikblog

Warum ich Schallplatten höre

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Wir schreiben das Jahr 2016. Die Schallplatte war schon Anfang der 90er totgesagt als ich meinen ersten CD Player zu Weihnachten bekam. Es war ein Crown CD-80. Ich habe ihn immer noch 😉

Ich war stolz wie Oscar. Endlich ein CD Player. Hatte mein Dual HS38 ausgedient? Anfangs schon das muss ich zugeben. Ich kaufte von meinem Taschengeld CDs und genoss es, mit den vielen Tasten des CD Players herumzuspielen. Ich konnte skippen, spulen, pause drücken. Das war derzeit wirklich aufregend und ich war erst 12 Jahre alt…. Aber die Liebe hielt nicht lange. Für neue CDs fehlte mir als Pre-Teenager einfach das Geld also nahm ich alles Relevante aus dem Radio weiter auf Tonband auf und überspielte es dann gezielt für den Walkman auf Kassette. Dann bekam ich sogar einen portablen CD Player den Crown CD-50. Auch der begeisterte mich anfangs. Aber dann doch im Endeffekt nicht wirklich. Er verbrauchte unglaublich viel Batterien für die ich das Geld als Heranwachsender einfach nicht aufbringen konnte und wollte. Anfang der 90er Jahre wurden die Platten regelrecht verschleudert wer etwas auf sich hielt hatte CD. Aber bei Karstadt gabs noch viel zu wühlen in Restposten und Sonderangeboten in puncto Schallplatte. Also kaufte ich Schallplatten. Und mein Dual rotierte weiter. Meine Eltern hatten derweil noch lange keinen CD Player und hörten weiter von den „klassischen Medien“ wie Schallplatte, Kassette und Tonband. Die 90er gingen weiter. Und mit der Platte war im Prinzip einfach Feierabend. Für Teenager der 90er Jahre war Eurodance unumgänglich. Die „reicheren“ in der Klasse gaben ihr Geld für CD Maxis und Bravo Hits aus. Ich war leider nicht so reich und entlieh mir eher CDs um sie auf Kassette zu überspielen. Somit wuchs mein CD Archiv eher weniger. In meiner Heimatstadt Velbert war dann früher oder später einfach Feierabend für Vinyl. Aber es gab noch die Nachbarstadt Essen die Plattenläden hatte. Durch einen Klassenkameraden entdeckte ich diese dann. Und auch die Preise. Platten, für die so manche heute viel Geld auf den Tisch legen würden gingen derzeit für kleines Geld über den Ladentisch. Und so kaufte ich 1992 die LP „Wir ham noch lange nicht genug“ der Böhsen Onkelz für 15 Mark neu im Laden. Und mein Dual drehte sich auf einmal doch wieder. Rock wurde auf einmal dann auch doch wieder interessant denn mit der aufkommenden HipHop Welle konnte ich gar nichts anfangen. Also bediente ich mich in Papas Platenregal und zog mir Motorhead, Pink Floyd und ZZ Top rein. – Die Jahre zogen ins Land mein Dual wich einer Kompaktanlage mit eher billigem Plattenspieler. Die Zeit der Kassetten brach an. Die CD spielte trotz Hochkonjunktur kaum eine Rolle da ich mit Klassenkameraden eher Kassetten als CDs austauschte. Durch die Kompaktanlage konnte ich sie in „HighSpeed Dubbing“ kopieren.  Platten waren Mitte der 90er in meiner Stadt quasi komplett aus den Ladenregalen verschwunden. Ich hatte jedoch eine Angewohnheit…. Jeden Sonntag auf den Trödelmarkt zu gehen. Michael Jackson BAD für 1,50 DM….

Und wenigstens ein bisschen rotierte es weiter auf meinem Plattenspieler. Meine Eltern erbten von meinem Onkel dann eine Metz Stereoanlage mit Plattenspieler und musterten ihren Dual Plattenspieler aus. Der konnte auch 78 Upm. Der CD-Boom verhalf somit auch mir eine neue Geldquelle: Ich digitalisierte mit meinem 386er Schallplatten auf CD. Mein erster CD Brenner hat ein Vermögen gekostet aber so kam das Geld wieder rein….

Und so drehte sich auch Ende der 90er eher mein Plattenspieler als der CD Player zumal Napster einem neue Musikquellen eröffnete. In dieser Zeit wollten alle ihre Plattensammlungen loswerden. Ich war immer schon bekannt als der „Mann der alles brauchen kann“ und bekam viel geschenkt. Meine Plattensammlung wurde immer größer. Ende der 90er gab’s in meiner Heimatstadt zwar keine Platten mehr zu kaufen aber in Essen eröffnete Schauland und verkaufte auch die Top 20 als LP Maxis was mich außerordentlich erfreute. Ich verdiente als Teenager inzwischen gutes Geld mit gebrauchten PCs und selbstprogrammierter Software so dass ich zuschlagen konnte. Alles was mein Herz Ende der 90er bewegte hatte ich dann doch nur auf Platte gekauft. Ein Freund aus der Nachbarschaft hatte seinerzeit eine Hausbar in seinem „Kinderzimmer“ und ich war oft dort auf ein Bierchen… Sein Vater war extremer Musiksammler war aber schon zuvor auf CD umgestiegen. In seinem Keller stand ein ausgemusterter Sony PS-4300 herum auf den ich immer schon neidisch war. Ich ermutigte meinen Nachbarn dazu, diesen in seinem Zimmer aufzustellen damit ich abends Platten mitbringen konnte und er tats….

Die Jahre gingen ins Land. Ich war bekannt als „Sammler“ und wurde regelmäßig in Sachen Vinyl beschenkt kaufte auf Trödelmärkten günstig ein. Ab 2000 gab’s eigentlich nur noch MP3 und Vinyl. CD hatte ohnehin bei mir nur ein Schattendasein geführt aber spätestens dann wars einfach vorbei für dieses Medium.

Ab 2001 hatte ich dann endlich eine eigene Wohnung. Mit dieser ging während der Ausbildungszeit extremer Geldmangel umher…. Also kein Geld für neues Vinyl dafür aber ein enormer Drogenkonsum. Und so bekamen Platten von Jean Michel Jarre Tangerine Dream und Pink Floyd einen neuen Stellenwert. Ein guter Freund der unter mir wohnte entlieh sich nur um diverse Platten zu hören sogar meine Wohnungsschlüssel… Derzeit drehten sich „Jean Michel Jarre – Zoolook“, „Tangerine Dream – Poland“ sowie „Pink Floyd Ummagumma“ quasi permanent. Da ich auch Freund des Betamax-Videosystems war (und immer noch bin) kam eine 80er Welle auf mich zu. Denn nachdem ich 2001 das Videosystem Betamax quasi aufgegeben hatte kam Ebay und eine neue Quelle für Kassetten. Ich schaute nur noch alte Kassetten aus den 80er Jahren und kroste dementsprechend alten „Soundtrack“ wieder aus dem Regal. Das nahm so große Ausmaße an, dass selbst die MP3 ins Hintertreffen geriet. Die Tradition, sonntags auf den Trödelmarkt zu gehen, hatte niemals aufgehört und so wuchs für das wenige Geld das ich hatte die Plattensammlung stetig. Ab 2003 war meine Ausbildung beendet und ich bekam erstmals ein Gehalt. Platten, die als unerschwinglich galten konnte ich mir plötzlich leisten.  Und auch überhaupt hatte sich die Platte derart in mein Leben geschlichen. Sie war nie weg immer da. Sie hatte alle Hürden überwunden „zum alten Eisen gelegt zu werden“. Mitte meiner „20er Jahre“ wurde mir auch immer mehr bewusst, wie wichtig die Platte ist und wie unwichtig die immer größer werdende MP3 dagegen wurde. Man hatte was in der Hand. Es war ohnehin nervig, bei einer Platte gezielt Titel anzuspielen also ließ man es auch direkt und spielte die Platte von Anfang bis Ende durch. Bei MP3 tut man das nicht. Man skippt oder spielt Titel in der nicht vorgesehenen Reihenfolge. Und selbst bei der richtigen Reihenfolge hat man zwischen den Titeln meistens keinen nahtlosen Übergang was bei diversen Alben eher tödlich ist und den Flow absolut killt…

Irgendwann 2005 erreichte mich eine Nachricht meines Freundes, der früher einmal mein Nachbar gewesen war…. Er hatte den Sony PS-4300 tatsächlich aus seinem Elternhaus in seine eigene Wohnung mitgenommen. Er hatte mehrere Einbrüche mit Sachbeschädigung unbeschadet überlebt da er nicht angeschlossen unter dem Bett überlebte. Und dieser Freund berichtete mir, dass ein Nachbar den Plattenspieler haben wollte. Ich sagte ihm, dass ich ihn haben wolle und quasi schon auf dem Weg sei… Und ich war auf dem Weg und holte ihn ab trotz 2 stündiger Autofahrt. Und ich habe ihn immer noch und er dreht sich 😉

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2016 und meine Vinylsammlung hat utopische Ausmaße erreicht. Ebay kam, dann Discogs… Und nun hat auch ein hiesiges Geschäft Vinyl in größerem Ausmaß wieder ins Sortiment aufgenommen…. Und während ich dies schreibe dreht sich mein Plattenspieler. Man interessiert sich ja doch, was andere machen. Ist Vinyl wirklich toll oder nur ein Splien von mir? Und so geht es inzwischen durch die Presse „Seit 1988 wurden nicht mehr so viele LPs verkauft

 

Die Plattenindustrie hat wieder etwas Grund zur Freude. 2015 war das umsatzstärkste Jahr seit 1988. Alleine in den USA wurden 416 Millionen Dollar mit der schwarzen Scheibe eingenommen. Damit liegt das Vinyl vor den kostenlosen Diensten von Spotify und Youtube, die einen Umsatz von 385 Millionen Dollar generierten.“. Klar endet das mit „Hört sich nach viel an, stellt aber trotzdem nur einen Bruchteil des gesamten Umsatzes der Musikindustrie dar, der sich in etwa auf sieben Milliarden Dollar beläuft.“ Aber… Was solls?

Die CD stirbt da die MP3 kommt. Und nun gibt es die „alte Liga“ die lieber etwas in der Hand hat und die „neue Generation“ die ihre Musik auf dem IPhone hört. Bei der Platte hat man durchaus mehr in der Hand als bei einer CD. Die CD ist Massenproduktion. Die Cover sind klein ebenso das Songbook. Der Wertverlust einer CD? Man entfernt die Schutzfolie und bekommt schon keine 50% des Einkaufspreises mehr rein beim Gebrauchtverkauf. Bei Vinyl? Siehts anders aus. Je nach Platte hätte man schon nach kurzer Zeit stellenweise einen Wiederverkaufswert von mehreren 100%.

Ist denn dann somit die Platte wirklich besser als die CD? Die technische Analyse attestiert der Platte eher schlechte Resultate. Dynamikwerte einer CD sind besser. Selbst die einer höher aufgelösten MP3. Aber ist das alles? Natürlich nicht.  Im direkten Vergleich Vinyl <> CD zieht die Vinyl technisch den Kürzeren. Rechnerisch. Gut. Und weiter? Ich will niemandem seinen Favoriten schlecht reden. Egal ob man nun MP3, CD oder Vinyl hört… Man liebt Musik. Und jeder soll sie konsumieren wie er/sie mag. Ich favorisiere Vinyl. Und warum?

Dafür gibt es sogar mehrere Gründe. Es mag sein, dass Freunde der MP3, der CD und der Platte eines eint: Das Interesse für Musik.

Aber der Vinylfreak liebt Musik noch um einige Details mehr. Die Abspielsituation eines MP3 Liebhabers lassen wir mal dahingestellt… Die eines CD Liebhabers mag durchaus in Ordnung sein. Aber die eines heutigen Vinyl-Liebhabers ist häufig technisch optimiert. Der optimale Dreher, Röhrenvorverstärker und ein guter Verstärker nebst Lautsprechern…

Ist das dann alles? Natürlich nicht. Die Art des Musikkonsums ist beim Vinylliebhaber einfach anders. Eine MP3 herunterladen ob nun legal oder illegal kann kaum den Kauf einer Platte ersetzen. Sei es auf dem Trödelmarkt oder im Laden. Das neue Schmuckstück dann Zuhause auspacken, auflegen und die Nadel auflegen und die Platte durchlaufen lassen ist schon etwas anderes. Und während man den Klängen lauscht kann man das – teilweise sogar sehr üppige –  Artwork der Platte begutachten. Das ist schon was anderes. Songbooks auf der CD? Kaum lesbar klein auf denen einer LP groß und lesbar….

Und dann… Gibt es große Probleme der MP3 Fraktion mit denen sich Vinylfreaks niemals auseinander setzen müssen. Steigt eine gekaufte MP3 jemals an Wert? Bestimmt nicht. Ich habe ein Iphone und im Shop bei ITunes MP3s gekauft und nun ein Android Telefon gekauft. Was ist nun mit meinen gekauften Titeln? – Puuuh damit hab ich als Vinylfreak echt nichts am Hut.

Ich lehne mich zurück, entspanne. Lege eine Platte auf. Die kann mir keiner nehmen. Ich habe keine Fehlermeldungen. Ich werde diese Platten auch in 1000 Jahren, wenn ich dann noch leben würde, auflegen können…. 😉

Klingt eine Vinyl nun besser als eine CD? Hmmmm… JA! Ich finde schon. Das kann jeder ja für sich empfinden wie er/sie will. Ich finde schon. Und im Prinzip kommt es darauf nicht einmal an…

Noch so ein paar rhetorische Fragen…

Macht mich der Kauf einer MP3 irgendwie glücklicher? – NÖÖÖÖ mal so gar nicht

Macht mich der Kauf einer Platte glücklicher? – OOOOOhja… Ich hab was zum auspacken, was zum gucken was zum hören. Und vielleicht aber auch nicht wirklich macht es mich glücklich zu sehen wie diese Platte immer wertvoller wird je älter sie wird….

Ist es toller, dass gleiche Album von CD oder Platte zu hören? – Ich finde auf Vinyl ist es toller. Es ist ein Ritual die Platte aufzulegen und einfach durchlaufen zu lassen.

Ist es irgendwie nervig, die Platte umdrehen zu müssen? – Hmmmm GRRR JAAA ! Ist es J

Ich bin Alkoholiker…. Ist Vinyl für mich besser? – Ja. Da dreht sich was was man im Suff beobachten kann. Das Umdrehen kriegt man noch grade so auf die Reihe.

Ich nehme Drogen. Ist Vinyl für mich besser? – Jein. Das Auflegen und Umdrehen kann nerven aber das Starren auf den rotierenden Plattenteller kann toll sein. Und je nach Platte kann das Cover unterhaltsam sein …

Ich bin Sammler… Was ist das Beste für mich? – OK. Vinyl ist es. CD aber auch. Die Herausforderung ist aber trotzdem die Platte. Alles was man mag auf dem Medium Vinyl zu organisieren ist eine deutlich größere Herausforderung für Sammler ….

Welches Medium auch immer… Hört Musik. Den ganzen Tag. Entscheidet selbst.

Euer Elmar

 

 

 

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